In den letzten Wochen und Monaten hat mich ein und das selbe Thema immer und immer wieder beschäftigt. Es ging im Grunde um Beziehungen. Warum  die einen immer in irgendwelchen festzustecken scheinen, während die anderen nie auch nur in die Nähe einer zu kommen vermögen. Sind diese Zustände selbstgesteuert oder fremdbestimmt? Haben die einen zu hohe Ansprüche wohingegen die anderen deutlich kompromissbereiter sind? Sind die einen eher schwach und können nur schwer allein sein, wohingegen die anderen zu freiheitsliebend und sich selbst genung sind, als dass sie bereitwillig ihr Leben teilen möchten? Oder ist es doch nur alles eine  Sache von Glück? Liegt es mehr an den Männern oder doch mehr an uns Frauen?

 

Kein Platz für Oberflächlichkeiten

Schnell wird klar, dieses Thema ist komplex und die Gedanken, die sich daran anschließen, ziehen mit einer rasenenden Geschwindigkeit immer größer werdende Kreise und verknüpfen immer neue Theorien. Eine Antwort zu finden, scheint schier aussichtslos und dennoch bleibt die Tatsache, dass es heute für die meisten unter uns eine immer größere Herauforderung wird, einen geeigneten Partner zu finden, wie ein Steilhang an dem die Wellen an Fragen sich vergeblich hinauf zu quälen scheinen, trotzig und behaarlich stehen.

Frauen wählen ihr Nachthemd mit mehr Verstand als ihre Männer
COCO CHANEL

Noch nie war es einfacher und unkomplizierter Menschen kennenzulernen als heute. In einer Zeit in der ein Foto und eine einzige kleine Daumenbewegung ausreicht. Alles ganz unverfänglich und vor allem bitte bloß ohne Verpflichtungen, denn gegenseitiger Respekt, als ein Mindestmaß an menschlicher Interaktion, ist längst überholt.
Doch sind es tatsächlich Oberflächlichkeiten und diese gewaltige Vielzahl an ständig neuen Optionen, die meine Generation einsam werden lässt?
Ich bezweifel es.

 

Wenn Emanzipation Tradition überholt

Wir erleben eine gesellschaftliche Veränderung und eben diese schlägt sich mit einiger Verspätung völlig unausweichlich auch auf das Verhältnis zwischen Männern und Frauen nieder. Was ich damit meine ,ist die Emanzipation.
Eine gesellschaftliche Selbstbefreiung der Frau, hinaus  aus ihrer Unmündigkeit aus konservativen gesellschaftlichen Normen und veralteten Weltanschauungen.
In den letzten Jahrzehnten haben Frauen immer mehr Rechte eingefordert und durchgesetzt. Wir dürfen wählen und arbeiten. Es gibt keinen Beruf mehr, indem es keine Frauen gibt. Wir arbeiten längst nicht mehr nur als Friseurinnen und Sekretärinnen, wir sind Ingeneure, Ärzte, Soldaten, ja wir regieren ganze Staaten.
Wir fahren Autorennen und fällen Bäume, wir spielen sogar Fussball.
Das einstige Entlassen aus der väterlichen Gewalt hat sich im Laufe der Jahrzehnte in Unabhängigkeit gewandelt und wir sind nicht mehr nur länger selbstbefreit – nein heute sind wir selbstbestimmt. Es gibt nichts, was ein Mann kann, eine Frau aber nicht!
Außer, ein Mann zu sein!

 

Eine alles veränderde Erkenntnis

Vor ein paar Tagen saß ich mit einer Freundin in der U-Bahn und wir unterhielten uns darüber, wie selten wir doch eigentlich das Gefühl haben, das ein Mann sich auch wie ein Mann benimmt. Entschlossen, durchsetzungsstark und kämpferisch.
1,90 groß und das Herz und den Mut einer Maus.
Ohne dass wir es merkten, hörte uns ein älterer Mann aufmerksam zu und nach einiger Zeit knurrte er sichtlich ungehalten, dass das worüber wir sprächen uns doch im Grunde völlig egal sei, so lange der Beruf prestigeträchtig und das Bankkonto prall gefüllt sei. Zweifellos eine Beleidigung.
Mit festem Blick und ruhiger Stimmer erwiederte ich an den Mann gerichtet, selbstverständlich erst nachdem ich meinen unterbrochenen Satz zu Ende geführt hatte, dass ich in aller Regel selbst meinen Lebensunterhalt verdiene.
Es war keine Rechtfertigung, denn die war ich ihm nicht schuldig, ich wollte mich auch nicht verteidigen oder das Vorurteil abschütteln, welches er mir aufgezwungen hatte. Ich wollte ihn brüskieren.
Er wurde verlegen, doch statt sich zu entschuldigen, antwortete er mit einem Lächeln: „Na, dann brauchst du ihn ja auch nicht!“ und eine Art Erleichterung wurde in seiner Stimme hörbar.
Ohne es eigentlich zu bemerken, hatte er den Nagel auf den Kopf getroffen.
Wir brauchen keine Männer!
Wir wollen Männer!

 

Die Konsequenz

Genau dieser Umstand bringt die Entwicklung der Emanzipation auf ihr aller höchstes Niveau und zeigt unerbitterlich, dass Defizit auf, welches der männlichen Spezies aus ihrer großzügigen Entlassung aus  ihrer Gewalt entstanden ist.
Wir haben einen imensen Entwicklungsprozess durchlebt, während für sie alles gleich geblieben ist. Wir sind unabhängig und wir brauchen keine  Männer mehr um ein gutes Leben führen zu können. Wir können für uns selbst sorgen, sind nicht mehr abhängig von ihrer Gunst. Weder wirtschaftlich, noch gesellschaftlich und wir haben Männer in dem eine oder anderen Bereich bereits überholt.
Wir brauchen niemanden mehr, der uns an die Hand nimmt und uns zeigt, wie man durchs Leben geht. Wir wollen jemanden an unserer Seite, mit dem wir unsere Leben teilen können. Und eben dafür wollen wir Männer und zwar nicht nur solche, die durch ihre Statur und ihren Bartwuchs darauf schließen lassen, dass in ihnen ein echter Mann steckt, sondern solche, die sich auch wie echte Männer benehmen. Und wo würde sich diese Eigenschaft deutlicher zeigen, als in ihrem Umgang mit Frauen.

 

Eine unausweichliche Veränderung

Liebe Männer, die Zeiten in denen alles von allein zu Euch kam sind vorbei. Ihr müsst  Euch Frauen wieder lernen zu verdienen und zwar nicht mit Eurem Bankkonto, sondern mit Eurem Benehmen. Wir möchten respektiert und gewertschätzt werden für wer wir sind. Und wir möchten uns bei Euch als Frau fühlen können, denn auch wenn wir in einer modernen und aufgeklärten Welt leben, erfordert es immer noch jeden Tag eine Menge Kraft emanzipiert zu sein und nur allzu oft müssen wir uns über Schwächen hinweg setzten um unseren Platz weiter behaupten zu können.
Wir entscheiden, was wir wollen und wen wir wollen und wir bleiben lieber alleine als unsere Zeit und Energie an jemanden zu verschwenden, der uns nicht verdient. Wir sind  selbstbewusst und  wir haben gelernt uns zu schätzen.
Das Gleiche erwarten wir auch von Euch!

 

Die Schönheit brauchen wir, damit die Männer uns lieben, die Dummheit, damit wir die Männer lieben!
COCO CHANEL

 

Photos by Zum Buntspecht

4 Comments

  1. Schöner Beitrag, ich kann deine Gedanken so unterschreiben. Ich finde gerade der Respekt gegenüber Frauen in einer Beziehung ist oft ein schwieriges Thema. Ich bemerke das bei so vielen Bekannten, dass sie sich oft mehr Wertschätzung in ihrer Beziehung wünschen.
    Lg Caro

    http://www.ouiouimarie.de

    • Rebecca Reply

      Ja, und es zeigt sich auch im täglichen Leben so oft. Der Umgang wird einfach immer rauer!

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